Saison ohne Start

Berliner Wassersport und Service GmbH kämpft um die Existenz

Seit über 20 Jahren führen Angela Schreier-Buhl und Thomas Strauß die Geschäfte der Berliner Wassersport und Service GmbH an der Wendenschloßstraße 350 in Köpenick. Aber so einen Saisonauftakt hat meine Gesprächspartnerin noch nie erlebt. “Unsere Schiffe liegen fest im Hafen und unsere 20 Mitarbeiter sind fast alle auf Kurzarbeit Null” stellt die Inhaberin ernüchtert fest. Vier Fahrgastschiffe betreibt die kleine Reederei. Zwei Schiffe fahren in der Saison Touristen auf festen Routen durch die Berliner Innenstadt, zwei weitere können gechartert werden. Doch aufgrund der Corona-Eindämmungsverordnung darf bis auf Weiteres keine Personenschifffahrt stattfinden. Dabei ist Ihr Unternehmen darauf angewiesen, in der Sommersaison die Gelder zu erwirtschaften, mit denen die BWSG dann über das gesamte Jahr kommen muss. “Unter normalen Bedingungen haben wir rund 120.000 Euro Umsatz jeden Monat”, so Schreier-Buhl. Doch jetzt fallen nur noch die Kosten von monatlich 35.000 Euro an, 19.000 Euro allein für Kredite. “Wir versuchen, die Steuern zu stunden und haben auch unsere Leasing-Verträge um drei bis sechs Monate geschoben, aber das reicht nicht”, zählt die Geschäftsführerin auf. Zumal niemand wirklich sagen kann, wie lange die Einschränkungen gültig sein werden. “Selbst, wenn die Einschränkungen offiziell aufgehoben werden,” befürchtet Schreier-Buhl, “wird es noch Wochen, ja Monate dauern, bis auch die ausländischen Touristen wieder kommen und wir zu normalen Verhältnissen zurückkehren.”

Die bisher von der Bundesregierung und dem Berliner Senat angebotenen Hilfen, kommen für ihr Unternehmen so nicht infrage. Darüber hinaus würden Kredite, die zurückzuzahlen sind, zusätzlich zu bereits bestehenden Verpflichtungen, eine finanzielle Bugwelle bedeuten, die die Unternehmen jahrelang vor sich her schieben müssten. Wirklich helfen würden erst einmal Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. “Aber die sind bislang nur für Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern vorgesehen”, weiß Schreier-Buhl. Darüber hinaus sei bei allen Hilfsprogrammen bisher die besondere Situation der Saison-Betriebe nicht berücksichtigt worden. Deshalb hat die Unternehmerin gemeinsam mit weiteren Reedern aus Berlin einen Brandbrief an den Regierenden Bürgermeister geschrieben. Darin fordern sie eine Berücksichtigung der Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten im Soforthilfeprogramm über die bestehenden Kredit- und Bürgschaftserleichterungen hinaus, eine Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 01. Juni 2021 und Landesbürgschaften und oder rechtlichen Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen beim Aussetzen von Miet-, Leasing- und Kreditverträgen. Darüber hinaus wäre eine Stundung aller Beiträge und Gebühren, die von staatlichen Stellen erhoben werden, wie unter anderem die Wasserstraßenabgaben, Steuern, Mieten und Pachten, unbedingt notwendig.

Robert Schaddach, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Vorsitzender des Tourismusvereins Treptow-Köpenick, hat mit einem eigenen Schreiben, den Forderunge der Reeder noch einmal Nachdruck verliehen. Noch gibt es keine Antwort des Berliner Senats auf die beiden Schreiben. Aber Angela Schreier-Buhl gibt nicht auf. “Ich kämpfe nicht nur um mein Unternehmen, sondern auch für meine zwanzig Mitarbeiter. Denn sie sind ebenso wie ich darauf angewiesen, hauptsächlich in der Saison den größten Teil ihres Jahreseinkommens zu verdienen. Die Auswirkungen auf ihre wirtschaftliche Existenz sind unabsehbar, wenn nicht gar vernichtend.”

Vielleicht wäre auch erst einmal die Lockerung beziehungsweise Veränderung der Einschränkungen eine erste kleine Hilfe. “Wenn wir nur 50 Personen nach und nach auf das Schiff lassen und genügend Sitzabstand garantieren, sollte die Gefahr der Ansteckung weitgehend gebannt sein”, so die Reederin. Eine Vorkehrung, die in anderen öffentlichen Verkehrmitteln so nicht garantiert werden kann.