Wie geht es Ihnen?

Kolumne

Wie geht es Ihnen? Haben Sie auch den Eindruck, dass alles um Sie herum so eigenartig, so surreal ist? Ich komme mir vor, wie in einem nie enden wollenden Sience Fiction-Film? Da wollte ich eigentlich nie hin. Wer hat denn jetzt schon wieder die Fernbedienung, um diesen Streifen endlich abzuschalten oder auf ein anderes Programm zu wechseln? Doch das Traumschiff legt heute nicht mehr ab. Statt dessen auf allen Kanälen, Corona-Programm.

Bereits am Morgen, wenn ich das Fenster zum Lüften öffne, habe ich den Eindruck, irgendetwas stimmt hier nicht. Es ist so ruhig. Kein Straßenlärm, keine Flugzeuge. Hallo Berlin, noch jemand da? Nur die Straßenbahn fährt verlässlich wie ein Uhrwerk alle 20 Minuten vorbei. Danke an die Mitarbeiter der BVG, die auch in diesen Zeiten Menschen, wie Krankenschwestern, Ärzte, Feuerwehrleute, Wasserwerker und Polizisten zuverlässig zur Arbeit bringen.

Das Wetter ist schön wie lange nicht. Doch die Parks bleiben leer, Cafés und Restaurants stellen keine Stühle und Tische vor die Tür. Stell Dir vor, es ist Frühling und keiner geht hin.

Vor einer Woche hat uns der Chef nach Hause geschickt – Homeoffice. Statt im Büro sitze ich nun an meinem PC im Keller. Telefoniere mit vielen Menschen, recherchiere auf noch mehr Internetseiten und schreibe Artikel für unseren Blog. Denn wir wollen helfen. All denen, die jetzt Ihre Existenz bedroht sehen, weil keine Gäste kommen, niemand ein Boot für eine Tour auf dem Wasser mietet. Ganz einfach, weil die Menschen zu Hause bleiben.

Außer zum Einkaufen. Wann haben wir das letzte Mal so leere Supermarkt-Regale gesehen? Als die Kanzlerin sagte, die Versorgung ist gesichert, wusste ich, jetzt wirds schlimm. Als dann am Morgen kein einziges Brot mehr im Regal lag, fragte ich, was nun? “Du hast Luxus-Probleme”, sagte mein Sohn… und ging einfach am Nachmittag Brot einkaufen. Ja, vielleicht sollten wir alles gelassener sehen. Uns nicht in Panik versetzen lassen. Für jeden von uns ist dies eine neue, noch nie dagewesene Situation, von der wir noch Jahrzehnte später unseren Kindern oder Enkeln erzählen werden. Für jeden von uns gibt es fast jeden Tag neue Herausforderungen – für viele kleine, für andere große. Wie geht es Eltern, die zu Hause bleiben müssen, um Ihre Kinder zu betreuen, mit Ihnen Schularbeiten zu machen? Manche begreifen, dass wohl schon immer, nicht die Lehrer das eigentliche Problem waren. Haben Krankenschwestern, Arzthelferinnen und Mediziner überhaupt noch Zeit sich zu fragen: Wie geht es mir eigentlich?

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es, hat Erich Kästner einmal gesagt. Vielleicht hilft es uns, wenn wir uns nicht nur als Opfer dieser Krise begreifen, sondern auch als Bewältiger? Jeden Tag freue ich mich über neue Hilfsangebote von Regierenden aber auch von einfachen Bürgern. Wer hätte vor Kurzem noch Behörden und Institutionen, die in einem tausendjährigen Tiefschlaf gefallen zu sein schienen, zugetraut, von heute auf morgen Entscheidungen zu fällen, ja sogar konkrete Hilfen zu geben. Einfache Bürger bieten ihre Hilfe an, beim Einkaufen, beim Abholen von Medikamenten aus der Apotheke, bei der Betreuung von Kindern. Andere lassen sich pfiffige Ideen einfallen, wie die Cocktails am Wochenende doch noch ankommen, wie man sein Lieblings-Restaurant, Café oder sein Museum mit Gutscheinen, für die Zeit nach Corona, retten kann. Es geht also durchaus noch etwas in diesem, unserem Land. Damit geht es mir schon etwas besser.

Und wie geht es Ihnen?

Schreiben Sie uns doch unter: tkthilft@tkt-berlin.de

Und, wenn Sie darüber hinaus noch ein konkretes Hilfsangebot haben, freuen wir uns umso mehr.

Und, bleiben Sie gesund?

 

Herzlichst Ihr Peer Hauschild